Wie sieht die Seele aus?

Wenn Du keinen Spiegel zur Hand hast, weißt Du dann, wie Du aussiehst?

Und selbst wenn Du in einen See oder einen Spiegel blickst, weißt Du, ob Du wirklich Dich selbst siehst?

Wir können uns alle nur im Spiegel der Welt sehen. Jeder Augenblick vom Aufwachen bis zum Schlafengehen ist eine winzige Spiegelung unserer Selbst. Unsere Seele ist weder ein Gegenstand, noch sonst etwas Spezifisches. Unsere Seele ist der Urgrund der gesamten Schöpfung und jede Wahrnehmung, jedes Erlebnis, welches uns widerfährt ist ein Lichtschein der Weltseele und somit unserer eigenen Seele. Deshalb hat die Seele keine eigene Farbe, aber beinhaltet alle Farben der Welt. Daher auch unsere Bezeichnung: Die See-le spiegelt gleich einem See, das gesamte Sein und lässt es in sich aufleuchten.

Böse kann so auch nur sein, was wir als solches sehen möchten. Es gibt nichts, das per se böse wäre. Es mögen uns gar schlimme Dinge widerfahren, trotzdem ist die Bezeichnung „böse“ immer unser persönliches Urteil über etwas. Und es ist ein gar unglückliches Urteil, weil wir alles, was wir als „böse“ ansehen und bezeichnen, gleichzeitig versucht sind, als etwas zu sehen, das Macht über uns hat und was wir vielleicht gar nicht ändern können. Am besten ist es den Tibetern gleich zu tun, die ihre „bösen“ Geister mitten im Tempel aufstellen, denn sie sagen, dass es nicht per se „Böses“ gibt, nur Kräfte, denen wir zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben. So erhalten auch die rasenden, „boshaften“ Götter einen Platz im Pantheon und ebenso viel Verehrung, wie die „Guten“. Es gibt kein Licht ohne Schatten, keinen Tag ohne Nacht.

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Claudia Neumann

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